Bifaziale Solarmodule: Wie funktioniert die Ertragssteigerung durch die Rückseite?

Bifaziale Solarmodule sind eine innovative Technologie, die nicht nur das direkte Sonnenlicht von vorne, sondern auch das reflektierte Licht von hinten nutzen. Diese Fähigkeit macht sie besonders effizient, wenn die richtigen Bedingungen gegeben sind. Doch wie genau funktioniert diese Technik und lohnt sich die Investition wirklich?

In diesem Artikel erklären wir Ihnen die Funktionsweise von bifazialen Solarmodulen, zeigen Ihnen die Vorteile und Nachteile auf und geben praxisnahe Beispiele für den Einsatz. Zudem erfahren Sie, unter welchen Voraussetzungen Sie mit einer Ertragssteigerung von bis zu 30% rechnen können und was das für Ihre Wirtschaftlichkeit bedeutet.

Was sind bifaziale Solarmodule?

Bifaziale Solarmodule sind Photovoltaik-Module, die Licht sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite in elektrische Energie umwandeln können. Im Gegensatz zu herkömmlichen monofazialen Modulen, die nur von einer Seite Strom erzeugen, nutzen bifaziale Module auch das reflektierte Licht von der Rückseite. Dies ermöglicht eine deutlich höhere Energieausbeute, insbesondere bei optimalen Bedingungen.

Die wichtigsten Merkmale von bifazialen Solarmodulen:

  • Lichtabsorption von beiden Seiten durch spezielle Zelltechnologie
  • Transparente Rückseitenfolie oder Glas statt undurchsichtiger Rückseitenfolie
  • Höhere Stromerträge durch Albedo-Effekt (Lichtreflexion)
  • Geeignet für Aufdach- und Freilandanlagen mit erhöhter Befestigung
  • Moderne PERC- oder HJT-Zellen für maximale Effizienz
Bifaziale Solarmodule auf dem Dach eines modernen Hauses

Wie funktioniert die Ertragssteigerung durch die Rückseite?

Detailaufnahme der Rückseite eines bifazialen Solarmoduls
Transparente Rückseite eines bifazialen Solarmoduls zur Lichtaufnahme von unten
Installation von bifazialen Solarmodulen auf einem Flachdach
Professionelle Installation von bifazialen Solarmodulen auf einem Flachdach mit erhöhter Aufständerung

Der Albedo-Effekt

Der Albedo-Effekt beschreibt die Fähigkeit von Oberflächen, Sonnenlicht zu reflektieren. Während dunkle Oberflächen wie Asphalt nur etwa 10-20% des Lichts reflektieren, können helle Oberflächen wie Schnee bis zu 80-90% reflektieren. Bifaziale Module nutzen genau diesen Effekt, indem sie das von unten reflektierte Licht einfangen und in zusätzlichen Strom umwandeln.

Der Albedo-Effekt ist der Schlüssel zur Ertragssteigerung bei bifazialen Modulen.

Optimale Montagehöhe

Die Beschaffenheit des Untergrunds hat großen Einfluss auf den zusätzlichen Ertrag. Helle, reflektierende Oberflächen wie Sand, helle Dächer oder begrünte Flächen bieten bessere Bedingungen als dunkle Asphaltflächen. In schneereichen Regionen kann der Albedo-Effekt im Winter besonders hoch ausfallen, da Schnee bis zu 90% des Lichts reflektiert.

Geeignete Untergründe

Bifaziale Module verwenden spezielle Solarzellen, die Licht von beiden Seiten absorbieren können. Die Rückseite der Zellen ist mit einer transparenten Schicht versehen, die Licht durchlässt und gleichzeitig vor Witterung schützt. Moderne bifaziale Module erreichen Wirkungsgrade von bis zu 22% auf der Vorderseite und zusätzlich 5-30% durch die Rückseite.

Spezielle Zelltechnologie

Kosten für bifaziale Solarmodule

Bifaziale Solarmodule sind in der Anschaffung teurer als herkömmliche monofaziale Module. Die höheren Kosten ergeben sich durch die spezielle Zelltechnologie und die aufwendigere Herstellung. Doch lohnen sich die Mehrkosten durch die höheren Erträge?

Die Preise für bifaziale Solarmodule liegen je nach Leistungsklasse und Hersteller zwischen:

  •  
  • Bifaziale Solarmodule 400-450 Wp: 180 – 250 €
  • Bifaziale Solarmodule 450-500 Wp: 220 – 300 €
  • Spezielle Aufständerung für bifaziale Module: 20 – 40 €
  • Wechselrichteranpassung für bifaziale Anlagen: 100 – 200 €
  • Montage und Installation: 100 – 150 € pro kWp

Zusätzlich zu den Modulkosten fallen oft höhere Kosten für die spezielle Aufständerung und gegebenenfalls Anpassungen am Wechselrichter an. Die Gesamtinvestition liegt etwa 10-20% über der einer vergleichbaren monofazialen Anlage.

Wirtschaftlichkeit im Vergleich

Trotz der höheren Anschaffungskosten können bifaziale Anlagen wirtschaftlicher sein, wenn die Bedingungen stimmen. Bei einer Ertragssteigerung von 15-30% amortisiert sich der Mehrpreis meist innerhalb der Förderperiode. Besonders lohnenswert sind bifaziale Module in Regionen mit hohem Albedo-Potenzial wie schneereiche Gebiete oder bei Installation auf hellen Dächern.

Anwendungsgebiete für bifaziale Solarmodule

Bifaziale Solarmodule eignen sich für verschiedene Anwendungsbereiche, wobei die Ertragssteigerung je nach Einsatzort variiert. Die Wahl des richtigen Einsatzgebiets ist entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der Anlage.

Aufdachanlagen

Auf geneigten Dächern können bifaziale Module besonders effektiv sein, wenn das Dach hell gestrichen oder mit hellen Ziegeln gedeckt ist. Der Abstand zur Dachfläche sollte mindestens 15-20 cm betragen, um Lichtreflexionen zu ermöglichen. Bei Süddächern mit guter Neigung erzielen bifaziale Module die besten Ergebnisse.

Ein Einfamilienhaus in Bayern mit einem hellen Ziegeldach und bifazialen Modulen erzielte im ersten Jahr 18% mehr Ertrag als eine vergleichbare monofaziale Anlage.

Flachdächer

Flachdächer bieten ideale Bedingungen für bifaziale Module, da hier die Aufständerung flexibel gestaltet werden kann. Oft werden Ost-West-Aufständerungen gewählt, um die Fläche optimal zu nutzen und den Ertrag über den Tag zu verteilen. Helle Dachbeschichtungen oder Begrünung können den Albedo-Effekt zusätzlich steigern.

Ein Gewerbebetrieb in Hamburg installierte bifaziale Module auf einem begrünten Flachdach und erreichte eine Ertragssteigerung von 22% gegenüber der alten monofazialen Anlage.

Freilandanlagen

In Freilandanlagen bieten bifaziale Module besonders hohe Ertragssteigerungen, da hier die Aufständerung optimal gestaltet werden kann. Helle Böden wie Sand oder Kies sowie Schneebedeckung im Winter maximieren den Albedo-Effekt. Oft werden bifaziale Module in Reihen- oder Nachführsystemen eingesetzt, um die Lichtausbeute weiter zu steigern.

Wirtschaftlichkeit und Rentabilität

Die Wirtschaftlichkeit von bifazialen Solarmodulen hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von den lokalen Bedingungen und der spezifischen Auslegung der Anlage. Eine sorgfältige Planung ist entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg.

Für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit einer bifazialen Anlage werden folgende Faktoren berücksichtigt: Modulpreis, zusätzliche Montagekosten, erwartete Ertragssteigerung, lokale Einspeisevergütung und Eigenverbrauchsquote. Die Amortisationszeit liegt typischerweise bei 8-12 Jahren, kann aber bei optimalen Bedingungen deutlich kürzer sein.

Bei einer typischen 10 kWp Anlage mit 20% Ertragssteigerung und einem Strompreis von 35 ct/kWh ergeben sich jährliche Einsparungen von etwa 700-900 €. Bei einer Eigenverbrauchsquote von 70% und einer Einspeisevergütung von 8 ct/kWh beträgt die jährliche Ersparnis rund 1.200 €.

Die Rendite einer bifazialen Anlage liegt bei optimalen Bedingungen bei 6-8% p.a. nach Steuern. In Regionen mit hohem Albedo-Potenzial oder bei speziellen Anwendungen wie Schneeregionen kann die Rendite auf bis zu 10% steigen. Die Lebensdauer der Module beträgt 25-30 Jahre, was eine langfristige Wertsteigerung der Immobilie bedeutet.

Bifaziale Solarmodule rentieren sich besonders dann, wenn die zusätzlichen Kosten durch höhere Erträge ausgeglichen werden. Eine sorgfältige Planung und die Wahl des richtigen Einsatzgebiets sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit.

Technische Details und Besonderheiten

Bifaziale Solarmodule unterscheiden sich in mehreren technischen Aspekten von herkömmlichen Modulen. Diese Besonderheiten beeinflussen die Leistung, die Montage und die langfristige Zuverlässigkeit der Anlage.

Zelltechnologie

Bifaziale Module verwenden überwiegend monokristalline PERC-Zellen (Passivated Emitter and Rear Cell) oder HJT-Zellen (Heterojunction). Diese Zelltechnologien ermöglichen eine hohe Lichtabsorption von beiden Seiten und sind besonders effizient bei schwachem Licht. Die Zellen sind auf der Rückseite mit einer transparenten Schicht versehen, die Licht durchlässt, aber vor Witterung schützt.

Modulaufbau

Der Aufbau bifazialer Module variiert je nach Hersteller. Gängige Varianten sind Glas-Glas-Module, bei denen beide Seiten mit gehärtetem Glas bedeckt sind, oder Glas-Folie-Module mit transparenter Rückseitenfolie. Glas-Glas-Module bieten bessere Langlebigkeit und höhere mechanische Belastbarkeit, sind aber auch schwerer und teurer.

Leistungsgarantie

Hersteller von bifazialen Modulen gewähren oft längere Leistungsgarantien als bei monofazialen Modulen. Typische Garantien liegen bei 25-30 Jahren mit einer linearen Leistungsgarantie von 80-85% am Ende der Laufzeit. Die bifaziale Leistungsgarantie berücksichtigt oft zusätzlich die Rückseitenleistung, was die langfristige Planungssicherheit erhöht.

Wechselrichter-Anpassung

Für bifaziale Anlagen werden oft spezielle Wechselrichter oder Anpassungen an bestehenden Wechselrichtern benötigt. Die MPP-Tracking-Technologie muss in der Lage sein, die Leistung beider Seiten optimal zu nutzen. Moderne Wechselrichter mit zwei MPP-Trackern sind ideal für bifaziale Anlagen, da sie die Leistung von Vorder- und Rückseite separat optimieren können.

Voraussetzungen für den Einsatz bifazialer Module

Nicht jede Photovoltaikanlage eignet sich für den Einsatz bifazialer Module. Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit sich die höheren Investitionskosten durch die zusätzlichen Erträge rechnen.

  • Ausreichende Montagehöhe (mindestens 15-20 cm Abstand zur Unterlage)
  • Helle oder reflektierende Untergründe (Albedo-Wert > 0,3 empfohlen)
  • Geeignete Dach- oder Freiflächenstruktur
  • Kompatible Wechselrichtertechnologie
  • Fachgerechte Planung und Installation
  • Gute Südausrichtung oder optimale Aufständerung

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, bieten bifaziale Module ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und können die Energieausbeute deutlich steigern.

Vergleich: Bifaziale vs. Monofaziale Solarmodule

Bifaziale Solarmodule

Monofaziale Solarmodule

Spezialfall: BIPV (Building Integrated Photovoltaics)

Umsetzung und Installation

Die Installation von bifazialen Solarmodulen erfordert spezielle Kenntnisse und Erfahrung. Eine fachgerechte Planung und Ausführung sind entscheidend für die maximale Nutzung des Albedo-Effekts und damit für die Wirtschaftlichkeit der Anlage.

  1. Standortanalyse und Ertragsgutachten: Bewertung der lokalen Bedingungen, Albedo-Potenzial und optimalen Ausrichtung
  2. Modulauswahl und Leistungsberechnung: Wahl geeigneter bifazialer Module und Berechnung der erwarteten Erträge
  3. Spezielle Aufständerung planen: Konstruktion einer Aufständerung, die ausreichend Abstand zur Unterlage ermöglicht
  4. Wechselrichter anpassen oder auswählen: Sicherstellen, dass der Wechselrichter die bifaziale Technologie optimal nutzen kann
  5. Fachgerechte Installation: Montage durch erfahrene Fachkräfte mit Kenntnissen in bifazialer Technologie
  6. Elektrische Anschlüsse und Sicherheit: Professioneller Anschluss und Integration in das Stromnetz
  7. Inbetriebnahme und Ertragskontrolle: Testlauf, Optimierung und Überwachung der Anlagenperformance

Eine professionell geplante und installierte bifaziale Anlage kann über ihre gesamte Lebensdauer hinweg deutlich höhere Erträge erzielen als herkömmliche Systeme.

Lassen Sie sich von einem erfahrenen Fachbetrieb beraten, der bereits mehrere bifaziale Anlagen erfolgreich umgesetzt hat. Die richtige Planung ist entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg.
Fachmann installiert bifaziale Solarmodule auf einem Flachdach

Häufig gestellte Fragen zu bifazialen Solarmodulen

Bifaziale Solarmodule können je nach Bedingungen 5-30% mehr Ertrag erzielen als monofaziale Module. Der genaue Mehrertrag hängt vom Albedo-Wert der Unterlage, der Montagehöhe und den lokalen Lichtverhältnissen ab. In schneereichen Regionen oder bei hellen Untergründen sind die höchsten Mehrerträge zu erwarten.
Nein, bifaziale Module benötigen spezielle Bedingungen, um ihre Vorteile voll auszuspielen. Ideale Voraussetzungen sind ausreichende Montagehöhe (mindestens 15-20 cm Abstand), helle oder reflektierende Untergründe und eine professionelle Aufständerung. Bei undichtem Altbaudach oder unzureichender Statik können bifaziale Module ungeeignet sein.
Die Nachrüstung einer bestehenden Anlage ist oft wirtschaftlich nicht sinnvoll, da die bestehende Aufständerung meist nicht für bifaziale Module geeignet ist. Die Kosten für neue Module, Aufständerung und mögliche Wechselrichteranpassung liegen oft bei 150-250 € pro Modul, was sich nur bei sehr hohen Strompreisen oder speziellen Förderprogrammen rechnen kann.
Bifaziale Module erfordern keine spezielle Wartung, sollten aber regelmäßig von beiden Seiten gereinigt werden, um die Lichtdurchlässigkeit zu erhalten. Die transparente Rückseite kann Staub und Schmutz ansetzen, der die Leistung mindert. Eine halbjährliche Sichtkontrolle und Reinigung bei Bedarf reicht meist aus. Section 11 Heading: Fazit: Lohnt sich die Investition in bifaziale Solarmodule?

Bifaziale Solarmodule lohnen sich besonders dann, wenn…

  • Sie ein neues Gebäude planen oder eine Sanierung durchführen
  • Sie über ein Flachdach oder ein helles geneigtes Dach verfügen
  • Die Montagehöhe ausreichend dimensioniert werden kann (mindestens 15-20 cm)
  • Sie in einer Region mit hohem Albedo-Potenzial wohnen (Schnee, helle Untergründe)
  • Langfristig hohe Energiepreise und steigende Stromkosten erwartet werden
 
  • Sie ein undichtes Altbaudach haben, das zuerst saniert werden muss
  • Die Montagehöhe aus statischen Gründen nicht ausreichend dimensioniert werden kann
  • Sie ein sehr begrenztes Budget haben und eine schnelle Amortisation benötigen
  • Der Untergrund sehr dunkel ist und wenig Licht reflektiert (Asphalt, dunkle Ziegel)

Lassen Sie sich vor der Entscheidung für bifaziale Solarmodule von einem unabhängigen Energieberater eine detaillierte Ertragsanalyse erstellen. Eine professionelle Simulation der zu erwartenden Mehrerträge hilft Ihnen, die richtige Entscheidung für Ihre individuelle Situation zu treffen.
 

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